VHS-Tagung zum Thema „Ursachen, Hintergründe und Auswirkungen von Bildungsarmut – Ansätze für eine lebensweltorientierte Alphabetisierungsarbeit
Do., 1. Dezember 2011, 9:30-16:30 Eisenstadt, Haus der Begegnung
Problemlage „Analphabetismus in unserer Gesellschaft“
Die Tatsache, dass es in Österreich eine allgemeine Schulpflicht gibt, lässt für viele den Schluss zu, Lesen und Schreiben seien Fähigkeiten, die sich alle Menschen während der Schulzeit angeeignet haben. Welch ein Irrtum!
Geschätzte 600.000 ÖsterreicherInnen haben Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Rechnen - eine erschreckende Zahl in einem so hoch entwickelten Land wie Österreich. Die Frage nach den Hintergründen ist daher gleichermaßen interessant wie brisant.
VHS-Tagung mit ExpertInnen in Eisenstadt
Die diesjährige Tagung der Burgenländischen Volkshochschulen stand daher unter dem Thema
„Ursachen, Hintergründe und Auswirkungen von Bildungsarmut - Ansätze für eine lebensweltorien-tierte Alphabetisierungsarbeit“.
Dabei wurden die vielfältigen Ursachen von Basisbildungsdefiziten hinterfragt, die Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen aufgezeigt und mögliche Perspektiven für die Alphabetisierungsarbeit diskutiert.
Ursachen und Auswirkungen von Basisbildungsdefiziten
Die Tagung widmete sich am Vormittag schwerpunktmäßig dem engen Zusammenhang von Bil-dungsarmut, sozialer Herkunft, Bildungseinstellungen und funktionalem Analphabetismus.
So gab Prof. Dr. Peter Büchner von der Universität Marburg (D) in seinem Einführungsvortrag einen Überblick über die Bildungsbedeutsamkeit der Familie und die Strukturen und Reproduktionsmecha-nismen, die so etwas wie Bildungsarmut bzw. Bildungsbenachteiligung entstehen lassen.
Mag. Ingolf Erler vom Österreichischen Institut für Erwachsenenbildung (A) wies in seinem Statement dann ausdrücklich auf das starke Wechselspiel zwischen sozialer Herkunft und bestimmte Formen des Bildungsverhaltens hin und zeigte in diesem Zusammenhang vorhandene Einstellungen und Barrieren in bestimmten sozialen Milieus gegenüber Weiterbildung auf.
Perspektiven für eine „Basisbildungsarbeit konkret“
Am Nachmittag wurde der Frage nachgegangen, wie Basisbildung an bestehende Lern- und Lebens-welten der TeilnehmerInnen didaktisch und methodisch anknüpfen kann. Dazu gab Irmgard Kaufmann-Kreutler von der Bildungskooperative Waldviertel (A) einen Einblick in die Bedeutung und Möglichkeiten der Biografiearbeit für die Basisbildung und demonstrierte anhand von Beispielen und konkreten Übungen, wie mit dem Lernfeld Biografie Bildungsmotivation und Bil-dungsinteresse erzeugt werden kann. Mag.a Claudia Schneider von der Austrian Society for Diversity (A) wies in ihrem Input auf die Bedeu-tung einer diversitysensiblen Alphabetisierungsarbeit hin und ging darauf ein, welcher Unterschied einen Unterschied erzeugt und wie in einer Vielfalt und von einer Vielfalt gelernt werden kann.
Neurowissenschaftlicher Zugang
Das abschließende Impulsreferat von Mag.a Birgit Peterson von „a-head“ - einem Institut für Gehirn-training (A) - lenkte dann noch den Blick auf die neurowissenschaftlichen Hintergründe von Analpha-betismus und zeigte auf, was im Gehirn passiert, wenn wir Lesen und Schreiben lernen.
- Einladung:
Tagungsablauf:
- Präsentation Büchner
- Präsentation Erler
- Präsentation Kaufmann-Kreutler
- Präsentation Schneider
- Präsentation Peterson
- Abstract Peterson
- Fotogalerie
Links:
